19.897
Bearbeitungen
Ralph (Diskussion | Beiträge) |
Ralph (Diskussion | Beiträge) |
||
| Zeile 172: | Zeile 172: | ||
== über Stock und Stein == | == über Stock und Stein == | ||
'''Bënjë - Servani I Mahd, Dienstag, 1. September 2015''' | '''Bënjë - Servani I Mahd, Dienstag, 1. September 2015''' | ||
Wir brechen für unsere Verhältnisse früh auf und stoppen ein weiteres Mal in [[Permët]] zum Einkaufen. Nach solchen Pausentagen sind unsere Vorräte immer schnell erschöpft und wir wissen noch nicht, wie viel Zeit wir im [[Osum-Canyon]] verbringen werden. In den regen Städtchen ist viel los und bis wir richtig Parken, werden wir ein paar Mal zurecht gehupt. | |||
Der Supermarkt ist modern und gut sortiert. Wir packen dessen halbe Vorräte an Wasser ein. Das albanische Quellwasser ist gut, aber wer weiß schon, wo wir wieder welches finden. Also nehmen wir genügend Flaschenwasser mit. | |||
Danach suchen wir Metzger, Bäcker, Post, Bank und Gemüseladen auf. All das hat Permët zu bieten. Wieder gibt es Verwirrung mit den Tausendern. Kostet das Fleisch nun 8.000 LEK oder 800 LEK. Für die Albaner ist die überflüssige Null selbstverständlich. Ein Relikt aus alten Zeiten vor der Währungsreform. | |||
Von Permët aus wollen wir über die Berge nach [[Çorovodë]] fahren. Die Piste ist eine wichtige Verbindung in der Region. Sie spart hunderte von Kilometer und ist eher nur für Fahrzeuge mit Allrad geeignet. Wir versuchen unser Glück. Mit dem Robur wird das nicht weiter schwierig, aber der Ford Nugget muss ja auch mit. | |||
Die Piste scheint anfangs gut fahrbar zu sein, wird jedoch bald recht steil. Markus lädt ab schwierigen Stellen seine Passagiere ab. Wir übernehmen einen Teil seines Gepäcks und die Fahrräder in den Robur. Das spart schon mal viel Gewicht hinten auf der Achse. Die Piste führt uns durch ein kleines Dorf. Danach schwenkt sie in eine steile, ausgewaschene Kurve. Ich bin schon am Wenden, weil ich dem Nugget diese Stelle nicht zutraue. Markus meint, das ginge schon und er meistert diese kritische Stelle ohne weitere Probleme. Vielleicht ist ja so ein Nugget doch pistentauglicher, als ich bisher dachte. | |||
Am Wegrand legen wir mitten auf dem Weg eine kurze Pause ein und essen Obst. Prompt will ein Mercedes-PKW durch. Das Gute daran ist, wenn der uns entgegenkommt, dann schaffen wir die Strecke bestimmt auch. Kurz hinter der Passhöhe vespern wir auf einer Bergwiese. Diese ist zwar etwas stupfelig, bietet dafür eine tolle Aussicht auf die Berge. Unser Vesper lockt leider viele Wespen an. Lili wird von zweien gestochen. | |||
Ein Stück weiter auf der Talfahrt lockt uns ein kleines Café am Wegrand. Die Besitzerin winkt uns herbei und serviert Gebäck und Sirup. Sie lässt uns auch ihren Raki probieren und lädt uns ein, auf eine Wiese hinter ihrem Haus zu übernachten. Markus würde zwar gerne die Berge hinter sich bringen, aber der Platz ist doch zu verlockend und so werden wir bleiben und in dem Café zu Abend essen. Während unsere Fahrzeuge am Rand der Piste parken drückt sich ein gesattelter Esel zwischen Nugget und Böschung durch und ruiniert mit seinem hölzernen Sattel die Lackierung des Wohnmobils. Ärgerlich, da eht wohl ein guter Teil der Kaution für die Selbstbeteiligung drauf. | |||
Den Nachmittag verbringen wir auf der Wiese neben dem Dorf. Ein schöner Platz mit Aussicht und Anschluss an das Dorfkind Erika. | |||
Zum Abendessen werden wir herzlich empfangen. Die Mahlzeit ist sehr üppig und besteht aus viel verschiedenen Leckereien. Geflügel, Auberginen, Paprika, alles in Öl ausgebacken. Dazu Byrek, süß und herzhaft und Pommes. Zum trinken bekommen wir Saft, Bier und Raki. Schade ist, dass unsere Kinder fast nur Pommes essen und der Rest der Speisen für zwei Familien mehr reichen würde. | |||
Entsprechend hoch ist auch der Preis. 12.000 LEK. Diesmal stimmt die Null am Ende. Irgendwie schon teuer, dafür alles selbst gemacht aus dem eigenen Garten. Mit nettem Publikum und Familienanschluß. Sicher wurden wir mit dem Preis gegenüber den albanischen Verhältnissen über den Tisch gezogen, aber man könnte dies auch positiv als einkommensgerechte Preisgestaltung betrachten. Das Leben hier oben wird für die Familie kein Zuckerschlecken sein. Der Vater von Erika ist studierter Lehrer. Es gibt nur keine Stellen. Dswegen arbeitet er als Waldarbeiter und schlägt, vermutlich illegal, Holz ein. 40% soll die Arbeitslosigkeit in Albanien betragen. | |||
== Osum-Canyon == | == Osum-Canyon == | ||